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25.02.2021

Von der Kraft der Besonnenheit

Gedanken zum Fest der Hl. Walburga

Begegnung im Kloster Heidenheim: Lichtprojektion eines Walburga-Gemäldes von Ernst Steinacker

Im Kloster Heidenheim war Anno 761 guter Rat teuer: Abt Wunibald war verstorben. Wer sollte die Mönchsgemeinschaft leiten? Sein Bruder Willibald, der erste Bischof von Eichstätt, bestimmte: Da Heidenheim ein so genanntes „Eigenkloster“ ist (also von Willibalds und Wunibalds Familie gestiftet), soll weiterhin ein Familienmitglied an der Spitze stehen. - Er berief seine jüngere Schwester Walburga, die den beiden Brüdern als Missionarin ins Fränkische gefolgt war, zur Äbtissin von Heidenheim - wohlgemerkt zur Vorsteherin eines Männerklosters!

Walburga brachte Gefährtinnen mit und wandelte das Männerkloster in ein „Doppelhaus“ um. In ihrer englischen Heimat waren Doppelhäuser gang und gäbe: Mönche und Nonnen wohnten in getrennten Gebäuden, aber sie aßen, beteten und feierten Gottesdienst miteinander.

Eine Legende zeigt auf, dass die bischöfliche Personalentscheidung nicht von allen gut aufgenommen wurde: als Walburga abends ins Frauenhaus hinübergehen wollte und den Pförtner bat, sie mit einem Licht zu geleiten, verweigerte der ihr den Gehorsam. - Walburga antwortete auf diese Brüskierung nicht mit Gezeter oder Strafe, sondern trat ruhig und ohne Licht ihren Heimweg an. - Nachts erwachten ihre Mitschwestern, weil der Schlafraum der Nonnen in einem himmlischen Licht erstrahlte; sie sahen darin eine himmlische Beglaubigung von Walburgas Autorität.

Ich kann verstehen, dass Walburga in dieser Situation den Konflikt nicht auf die Spitze getrieben hat. Ein Kloster ist kein „Betrieb“ mit einer Hierarchie, sondern eine Lebensgemeinschaft, die auf gegenseitigem Respekt fußt. Vielleicht hat es beiden geholfen, den Vorfall zu überschlafen und zu „überbeten“. Vielleicht hat es auch ein klärendes Gespräch am nächsten Tag gegeben.  Vielleicht ist der störrische Pförtner ganz von selbst ins Nachdenken gekommen, weil Walburga - anders als von ihm erwartet - auf Wort-Gewalt nicht mit Gegen-Wort-Gewalt reagiert hat? (NB:  Papst Franziskus macht es ähnlich - er schweigt auf die unerleuchteten Attacken seiner Gegner...) Vielleicht haben besonnene Mitbrüder dem Pförtner ins Gewissen geredet. - Irgendetwas muss gefruchtet haben, denn Walburga war 18 Jahre lang unangefochten Äbtissin von Heidenheim - bis zu ihrem Tod am 25.2.779.

Im Jahr 870 wurden ihre Reliquien nach Eichstätt übertragen. Bis heute pilgern Menschen zu ihrem Grab in der Abtei St. Walburg. Auch ich bin von Zeit zu Zeit unter den Pilger*innen und bitte die Hl. Walburga  um ihre Fürsprache für unsere Pfarrgemeinde Eibach und für alle Frauen in der Kirche - besonders für die, die viel Verantwortung tragen, und für die, die kräftigen "Gegenwind" aushalten müssen... 

Ihre Gemeindereferentin Irene Keil