Abraham: ein Mutmacher für Christen, Juden und Muslime

Gedanken zur zweiten Lesung des Sonntags
Schlussgottesdienst des Katholikentags.

Der 104. Deutsche Katholikentag in Würzburg stand unter dem Leitgedanken aus dem Neuen Testament: „Hab Mut! Steh auf!“ Mehr als 70.000 Menschen sollen es gewesen sein, die sich vom 13. bis 17. Mai 2026 in Würzburg getroffen haben. Ich war auch dabei. Was hat Mut gemacht? Was gibt nachhaltig Schwung für das persönliche Glaubensleben?

Auf jeden Fall ermutigt es, wenn sich so viele Menschen für ihren Glauben engagieren, mitarbeiten, ins Gespräch kommen und herzlich aufeinander zugehen. Mit großem Respekt habe ich die zahlreichen haupt- und ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer bemerkt, die für Sicherheit sorgten, Auskünfte erteilten oder Liedblätter ausgaben. An jedem einzelnen Veranstaltungsort waren sie notwendig und agierten mit Freundlichkeit und Entschlossenheit. 

Ein besonderes Geschenk war für mich die freundliche, friedliche, ja heitere und zuversichtliche Atmosphäre unter den Menschen in den Straßen der Stadt und in der Zeltstadt aus den verschiedenen Ständen der Bistümer, der Orden, der Hilfswerke und vieler anderer Organisationen, die sich in der Kirchenmeile vorstellten und zu unserer Kirche gehören. 

Ich bin sehr dankbar für meine Erfahrungen bei Bibelgesprächen im Dialog zum Judentum und Islam. Es bereichert, miteinander zu reden, voneinander zu lernen und ich erinnere mich dabei, dass der Glaube und das Vertrauen auf den einen Gott, den Schöpfer und Barmherzigen uns fest verbindet.

Am heutigen Sonntag weist Paulus in der Lesung aus dem Römerbrief auf Abraham, den Vater des Glaubens, hin. Abraham hofft auf Zukunft und Leben für sich und seinen Stamm, er hofft auf nachfolgende Generationen durch einen Sohn. Und es sieht in diesem Punkt für ihn und Sarah zunächst unmöglich aus. Abraham vertraut auf Gott, dass Gott das Unmögliche herbeiführen kann. Er setzt sein ganzes Vertrauen und seine ganze Hoffnung auf Gott.

Abraham ist ein Mutmacher für uns, für Christen, Juden und Muslime. Wir erfahren durch seine Lebensgeschichte, dass Gott uns auch in schwierigen Zeiten nicht vergisst, sondern begleitet und seine Verheißungen wahr macht. Gott schenkt Leben und Zukunft!

Paulus erinnert alle Christen daran, dass Jesus von diesem Gott aus dem Tod zu neuem Leben auferweckt worden ist. Er will uns heute zurufen: Gott ist verlässlich, auch wenn Menschen in Situationen stecken, die unausweichlich oder verloren scheinen. Gott erlöst aus Leid und Tod zum Leben. 

Wir haben als Christen, Juden und Muslime gemeinsam einen gewichtigen Grund, mutig zu sein, weil Gott bei uns ist, dort, wo wir keinen Ausweg mehr sehen, ob persönlich, oder in der Gesellschaft, Glaubensgemeinschaft oder in der Welt.

Daher dürfen wir mutig unseren Weg gehen, in die Gesellschaft hinein, mit unserem Glauben und Vertrauen auf einen gegenwärtigen und wirkmächtigen Gott, mit unserem Menschenbild, das von der Heiligen Schrift und unseren christlichen Werten geprägt ist und unserem Wunsch nach gewaltfreier Verständigung und Frieden.

Gudrun Gärtner, Religionslehrerin im Kirchendienst