Die Erinnerung, wohin der Weg mit Gott führt

Gedanken zum Fest Christi Himmelfahrt
Ein Luftballon steigt in den Himmel

Christi Himmelfahrt bedeutet nicht, dass Christus verschwunden wäre. Im Gegenteil: Dieses Fest sagt, dass unser Leben nur Zukunft hat, weil es den Himmel gibt – nicht als Ort hinter den Sternen, sondern als ewige Gemeinschaft mit Gott, in der es nur Freude, Frieden und Erfüllung gibt.

Das biblische Bild – „er wurde in den Himmel aufgenommen“ – will ausdrücken: Jesus ist in Gottes Wirklichkeit eingegangen, die unser Begreifen übersteigt. Durch sein Leben, Sterben und Auferstehen hat er uns einen neuen Raum des Lebens eröffnet, der über den Tod hinausreicht.

Hoffnung auf den Himmel ist keine Weltflucht. Wer das Leben hier auf der Erde liebt, darf auf noch mehr Leben, ja: auf ein Leben in Fülle hoffen. Diese Hoffnung macht nicht träge, sondern verantwortlich und erfinderisch im Guten. Wer in der Hoffnung auf Gott seinen Weg geht, gibt sich nicht ab mit Dunkelheit, mit Ungerechtigkeit und Sinnlosigkeit. Er lässt sich vom Geist Jesu anstecken, der Menschen, die am Leben verzweifelten, durch sein Wirken oft schon ein Stück Himmel geschenkt hat – den Kranken, Armen, Ausgegrenzten. Seine Art zu leben zeigt: Himmel und Erde gehören zusammen. Das Wissen um den Himmel, in den uns Christus vorausgegangen ist, schließt ein, nicht nur nach oben den Blick zu richten, sondern genauso in die Welt. Christus traut uns zu, sein Werk fortzuführen.

Darum können wir Christi Himmelfahrt als doppeltes Ja feiern: als Ja zum Himmel – und als Ja zur Erde.

Alois Ehrl, Domkapitular i. R.