Zu allen Zeiten kommen Heiden zum Glauben an den Gott des Judentums. Schon im Alten Testament gibt es Konvertiten: Ausländer, die in die jüdische Gemeinschaft integriert werden. Sie müssen die zahlreichen Gebote befolgen, insbesondere den Sabbat halten und im Jerusalemer Tempel beten und opfern, der „ein Haus des Gebetes für alle Völker“ genannt wird.
Man kann also nicht nur durch Geburt von einer jüdischen Mutter Mitglied des Gottesvolkes werden, sondern auch durch eine persönliche Glaubensentscheidung.
Der jüdische Schriftgelehrte Paulus hadert zuerst mit den Heidenberufungen. Ihn treibt die Frage um, ob Gott sein Volk verstoßen hat, weil hier die Mission zum neuen Glauben nicht so ausfällt, wie er sich das wünschen würde. Er hofft sogar, dass die erfolgreiche Heidenmission so provoziert, dass sich Juden mit dem Glauben an Jesus Christus auseinandersetzen und auch zum neuen Glauben finden. Er kommt jedoch immer mehr zum Schluss: Gottes Heil gilt allen Völkern.
Eine Belegstelle dafür, dass das auch Jesus selber so gesehen hat, ist das heutige Evangelium nach Matthäus (Mt 15,21-28.) Diese Geschichte mit der kanaanäischen Frau ist keine Zufallserzählung im Evangelium. Hier wird ganz deutlich zugespitzt - ein Stilmittel in der Bibel, um das Ergebnis zu unterstreichen:
- Da kommt eine Ausländerin und benützt den jüdischen Hoheitstitel in ihrer Anrede: „Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids.“ Sie signalisiert dadurch ihren Glauben und Respekt vor Gott.
- Jesus ignoriert sie zunächst – und dann weist er sie zurück, indem er ihr indirekt zu verstehen gibt: „Du gehörst nicht zum Volk“
- Sie hält als verzweifelte Mutter dagegen mit dem Bild der „Brotkrumen, die vom Tisch ihrer Herren fallen.“: Es ist genug Heil für alle!
- Und das Überraschende: Jesus macht eine Kehrtwende und würdigt ihre Ausdauer: „Frau, dein Glaube ist groß!“
Einmal mehr wird durch diese Erzählung deutlich, dass es der Glaube ist, der zum Volk Gottes führt, nicht die Zugehörigkeit zu einer Ethnie oder Religionsgemeinschaft oder irgendwelche Frömmigkeitsübungen. Jesus weist darauf hin, dass das Heil Gottes nicht exklusiv den Juden, sondern uns allen gilt.
Ihr Diakon Ulrich Wiechers
Die Texte vom heutigen Sonntag