Mein Blick blieb beim Öffnen des Messbuches direkt an diesem Eröffnungsvers aus dem Psalm 27,7-9 hängen:
„Vernimm, o Herr, mein lautes Rufen;
sei mir gnädig und erhöre mich!
Mein Herz denkt an dein Wort: „Sucht mein Angesicht!“
Dein Angesicht, Herr, will ich suchen.
Verbirg nicht dein Gesicht vor mir! Halleluja.“
Mit diesen Psalmversen war ich an ein zufälliges Gespräch erinnert. Auch wir aktiven Christen sind durch manche Lebenssituation herausgefordert. Dem Einen geht es psychisch schlecht, dem Nächsten hat es physisch erwischt. Wenn es schwer wird mit der Gesundheit, kommt es leicht zur Klage oder zum Ringen um den Glauben. Oder wenn es am Arbeitsplatz zu Spannungen kommt, weil man mit Überzeugung anders handelt und vielleicht sogar in Folge seine Arbeit verliert.
Die 2. Lesung heute empfiehlt uns, in eine Situation der Bedrängnis Gott zu suchen und sie zusammen mit Gott zu bestehen, mit dem Heiligen Geist als Helfer. Doch NUR in der Not sich an Gott zu wenden, ist in meinen Augen nicht der richtige Ansatz....
Muss ich erst am Tiefpunkt sein, um Gott neu zu begegnen?
Nein, ich glaube, das ist ein schlechter Ansatz. Es soll sich niemand das Martyrium suchen oder wünschen, auch wenn es uns in Teilen oder vielleicht sogar in der Konsequenz nicht erspart bleibt.
Jesus will nicht nur ein gutes Leben im Hier und Jetzt für uns, sondern sogar Erlösung, deswegen versuche ich auch an guten Tagen, Gottes Angesicht in den Blick zu nehmen.
In den kontemplativen Exerzitien habe ich eingeübt, mehrmals am Tag kurz inne zuhalten und mich und die Umwelt wahrzunehmen, das gibt Ruhe und Sicherheit, macht den Tag erlebbarer.
Schön ist auch die Methode der drei Taler in der Hosentasche, immer wenn etwas schön war oder gelungen ist, wechselt einer in die andere Hosentasche. Und am Abend schaut man sich die Taler nochmal an und erinnert sich. Oder überlegt, wo ich vergaß, Taler zu tauschen. So kann ich mit guten Gedanken ins Bett gehen. Und am nächsten Tag mit neuer Kraft das angehen, was noch nicht gut war. Mit dem Wissen, dass Gottes Angesicht da ist und immerhin das sprichwörtliche Glas mit ihm halbvoll ist. Dann mag ich wie beim letzten Wort im Psalm „Halleluja sagen“, „lobe den Herrn“, denn er ist zugegen, auch in den schlechten Zeiten und lässt vieles heil werden.
Gerne komme ich mit Ihnen darüber ins Gespräch.
Ihr Diakon Ulrich Wiechers