Wort und Tat decken sich nicht immer. Darauf macht Jesus in dem Gleichnis von den zwei Söhnen eines Weinbergbesitzers aufmerksam. Der eine sagt ja zur Arbeit im Weinberg und tut dann nichts. Der andere Sohn sagt zuerst nein, bereut es aber später, besinnt sich und folgt dem Ruf des Vaters.
Verhalten wir uns manchmal nicht ähnlich gegenüber Gott? Wir sagen wie selbstverständlich ja zu Gott, halten uns für gute Christen. Aber dann sagt die Geschichte unseres Tuns etwas anderes. Das Gleichnis hält uns den Spiegel vor. Ein frommes Bekenntnis macht noch nicht zum Christen. Gott erfreut nicht ein unverbindliches Ja, sondern ein ehrliches Herz, das handelt. Ein frommes Ja ersetzt nicht die Bereitschaft, nach dem zu suchen, was nach dem Willen Gottes zu tun ist. Demnach ist Vor-sicht angesagt, nicht bloß Ja zu sagen zu Gott, sondern auch dem Ja Taten folgen zu lassen.
Das Gleichnis gibt uns eine zweite Anregung: Seid nach-sichtig! Verurteilt nicht gleich diejenigen, die ihr „Nein" sagen zu unserer Art zu glauben. Vielleicht handeln sie schon im Sinne Gottes, ohne es zu wissen — freundlich, liebevoll, hilfsbereit und großzügig. Vielleicht brauchen sie noch Zeit, um zu erfahren, dass Gott hinter ihrem Gutsein steckt.
Und noch eine dritte Anregung lässt sich in dem Gleichnis finden. Seid um-sichtig! Bringt die Worte Jesu mit dem Leben in Zusammenhang! Wo vielleicht verhalten wir uns wie der eine oder andere Sohn, wenn es um eine Einladung zu einem Dienst für Gott oder die Mitmenschen geht? Wo ruft er uns tätig zu werden? Ihm gefällt es, wenn wir hinsehen, wo Einsatz gefragt ist, wenn wir seinen Ruf hören und handeln.
Alois Ehrl, Domkapitular i. R.
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