Ein wichtiges Prinzip in der Kommunikationswissenschaft ist der Satz „Der Empfänger entscheidet, WIE er die Nachricht verstehen will“.
Wenn jemand etwas zu einem anderen sagt, so schwingt darin eine Absicht, eine Botschaft mit, die der „Sagende“ (die Kommunikationspsychologie spricht hier vom „Sender“) in die Botschaft verpackt – Zuneigung oder Ablehnung, Zustimmung oder Widerspruch, Annahme oder Konfrontation, … . Manches Mal glauben wir, unsere Botschaft verbal eindeutig formuliert zu haben, und sind dann um so mehr erstaunt, dass unser Gegenüber (aus unserer Sicht) völlig unpassend reagiert – weil der, der zugehört hat (der „Empfänger“) die Botschaft anders gedeutet hat, als es unsere Absicht war. Manchmal sind wir darüber verwundert, manches Mal sind wir aber auch selbst daran „schuld“, weil wir Vieles (warum auch immer) nicht eindeutig ansprechen und nur denken, dass der Andere es doch verstehen müsste.
Wenn wir zum Beispiel zu Jemandem sagen: „Das war gar nicht schlecht…“ – war es dann gut, aber noch nicht perfekt? Oder heißt es vielmehr, dass das schon noch besser hätte gemacht werden können und dass ich eigentlich enttäuscht bin von dem, was du da geleistet hast? Der Hörende entscheidet, was und wie er eine Botschaft aufnimmt.
Im Evangelium des heutigen Sonntags hören wir, dass Jesus in Gleichnissen zu der Menge spricht – und viele „Empfänger“ können diese Art des Redens nicht verstehen, weil sie keine Erkenntnis haben, weil sie „… hören und doch nicht hören und nicht verstehen“ (Mt 13, 13).
Gottes Wort verstehen ist keine leichte Sache und auch nicht bloß eine Sache der Entscheidung des Empfängers. Die zehn Gebote sind eindeutig, das Doppelgebot der Liebe ist es auch (vgl. Mk 12, 29-31 u.a.). Aber was steckt dahinter? Wie lebe ich das im Alltag ganz konkret? Hier bedarf es eines ständigen Forschens und lebenslangen Suchens – und der Gnade Gottes „die Geheimnisse des Himmelreichs zu verstehen“ (Mt 13, 11).
Und Jesus erzählt uns im Gleichnis vom Sämann vier Möglichkeiten auf, wie der Mensch den Samen des Wortes Gottes aufnehmen kann:
Das Wort Gottes, das auf den Weg fällt und keine Wurzeln hat, wird vom Bösen „aufgefressen“, weil es nicht aufgenommen werden kann. Auf felsigem Boden im Herzen des Menschen hat es keinen Bestand, wenn Widerstände und Anfragen an den Glauben uns verzagen lassen. Und die materiellen Schätze dieser Welt oder die Sorgen des Alltags lassen als Dornen dem Wort Gottes keinen Raum, Frucht zu bringen. Es braucht den guten Boden im Herzen des Menschen, der Verständnis und damit Frucht im Reich Gottes bringt.
Wichtig ist: Der Same Gottes - sein Wort! - wurde ausgesät. Eindeutig und ein für alle Mal wurde die Heilsbotschaft Gottes durch den Tod und die Auferstehung von Jesus Christus verkündet – da gibt es keine Interpretationsmöglichkeiten mehr! Aber der Mensch entscheidet, wie sehr er sich nach dem Wort Gottes ausstrecken will, sein Leben nach Gottes Geboten zu gestalten gegen alle Wege, Felsen und Dornen - und die Geheimnisse des Himmelreichs für sich verstehen zu lernen. Es ist eine lebenslange Aufgabe eines empfangenden Hörens!
Ihr Diakon Michael Sporrer