Hörende werden

Gedanken zur alttestamentlichen Lesung
Holzfigur: eine Person sitzt auf einem Baumstamm und blickt in die Ferne

Aufgewachsen am Hahnenkamm, nicht weit von Heidenheim, hat mich das Kloster dort immer schon angezogen. Wo Wunibald lebte und nach seinem Tod Walburga das Doppelkloster leitete, können heute Menschen zu Gast sein, die Stille suchen und neue Kraft tanken wollen. Und selbstverständlich sind Heidenheim und andere Klöster gute Orte für Menschen, die sich innerlich öffnen für den Anruf Gottes.

In der Lesung des heutigen 17. Sonntags im Jahreskreis wird König Salomo gelobt, der eine hörende Haltung einnahm, als er das schwere Amt  nach dem Tod seines Vaters David übernehmen sollte:

„Verleih daher deinem Knecht ein hörendes Herz,
damit er dein Volk zu regieren
und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht!“ (1 Kön 3,9)

Wie Salomo wollen auch heute Menschen auf Gott und seine Weisungen hören, um Gottes Willen zu erkennen und zu tun. So beten wir im Vater unser: „Dein Wille geschehe“. Innehalten, auf Gott hören, das eigene Gewissen sprechen lassen, etwas in uns nachklingen lassen und nicht sofort emotional reagieren: das kann schnelle und manchmal unüberlegte oder ungerechte Reaktionen verhindern. 

Dazu kommt Salomos Wunsch, das Gute vom Bösen zu unterscheiden. Diese Unterscheidung fällt uns sicherlich nicht leichter als den Menschen im alten Israel. Täglich erhalten wir viele Informationen und Meinungen von verschiedensten Medien, teilweise mit KI produzierten Texten. Das erfordert kritisches Lesen und Vergleichen, weil nicht immer gleich klar wird, wer mit welchen Quellen und mit welchem Ziel diese Nachrichten verfasst hat. Eine wachsende Herausforderung!

Salomo setzte auf die Hilfe Gottes. Von ihm erhoffte er sich Klarheit bei allen Entscheidungen. Ihm wollte er dienen. Salomo baute für Gott einen Tempel; er wollte IHM mit dem Tempelkult die Ehre geben. Von Gott wusste Salomo sich berufen und gesegnet. Auf Gott führte Salomo seine Königswürde zurück.

Auch uns ist eine Königswürde geschenkt, denn wir sind von Gott geliebt und berufen. Von Gott kommt diese besondere Würde, sein Kind zu sein. Der Schöpfer und Vater aller Menschen stattet uns aus mit einem Gewissen, mit unserem Verstand, einem menschlichen Herzen und mit unseren fünf Sinnen.

Salomos Haltung als Hörender und als großer Beter kann uns inspirieren, noch genauer hinzuhören und Gehörtes zu prüfen, auf Gottes Kraft und Weisung zu vertrauen, Gutes und Böses zu unterscheiden und von Gerechtigkeit und Liebe geleitet zu leben.

Viele Kraftorte, viele Klöster laden ein, das Hören in der Stille zu üben und immer mehr zu Hörenden zu werden.

Ihre Gudrun Gärtner, Religionslehrerin im Kirchendienst