Aktueller hätte das Thema kaum sein können. Nach dem hohen Wahlsieg der rechtspopulistischen AfD in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern kam der Vortrag des Politologen Andreas Püttmann im Pfarrheim St. Anton zum rechten Zeitpunkt. Eingeladen hatten die KEB und der Bund katholischer Unternehmer (BKU)
Püttmann attestierte den Rechtspopulisten in seinem Vortrag Eigenschaften wie einen völkischen Nationalismus und damit eine Abneigung gegen alles Fremde und auch andere Minderheiten, beispielsweise spreche die AfD davon, dass Schulkinder mit Behinderungen nicht mit anderen die gleiche Schule besuchen sollen. Sodann kennzeichnet die Rechtspopulisten ein Festhalten an Gesetz und Ordnung, was aber für die eigenen Parteimitglieder nicht unbedingt gilt, sodann eine Rhetorik der Übertreibung bis hin zur Apokalyptik – verbunden jedoch mit einer Sorglosigkeit angesichts wirklicher Probleme wie etwa dem Klimawandel. In rechtspopulistischen Kreisen gebe es darüber hinaus oft die Haltung, Andersdenkende verächtlich zu machen – vor allem auch Frauen. Dies korrespondiere mit einer Selbstidealisierung, gepaart mit einer Opfermentalität. Zudem zeichne sich der Rechtspopulismus durch ein relativistisches Geschichtsbewusstsein aus, wo historische Fakten geschönt oder verschwiegen werden, wenn sie dem nationalistischen Denken widersprechen.
Vielfach suggeriere die AfD-ihren Anhängern, sie gehörten einer besonderer Elite an – begründet in ihrer Herkunft, was natürlich Menschen, die sich benachteiligt fühlen, guttut. Genauso zeichnen sich AfD-Anhänger zu einem großen Teil durch die Überzeugung aus, sie würden für den Staat genug tun, sind aber andererseits der Meinung, der Staat tue für sie deutlich zu wenig. Püttmann stellte dem auch entgegen, dass das Argument, die Politiker seien vor allem an der derzeitigen Misere im Lande schuld, nicht greift. Ein Rechtsruck sei nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen anderen Ländern festzustellen, sodass die Politik allein kaum schuld sein könne. Überdies seien ja die Politiker, die an der Macht sind, auch vom Volk gewählt.
Ebenso stellte Püttmann heraus, dass weniger Kirchenmitglieder die AfD gewählt hätten als Konfessionslose. Noch deutlicher werde das bei praktizierenden Christen. Da seien unter den AfD-Wählenden gerade einmal zehn Prozent Katholiken und elf Prozent der evangelischen Christen.
Viele der grundlegenden Einstellungen der AfD und ihrer Anhänger seien mit dem christlichen Denken nicht vereinbar. So verkünde das Christentum die Gleichheit aller Menschen, denn alle sind Ebenbilder Gottes. Seien Kennzeichen der Christen Empathie, Demut und Gelassenheit, so konstatierte Püttmann bei der AfD Empathielosigkeit, Hybris und Daueraufgeregtheit. Das Christentum fühle sich - wie übrigens auch die CDU, gerade in ihrer Anfangszeit in den 1950er Jahren – der christlichen Soziallehre verpflichtet, und diese lehnt etwa das Verhindern der Inklusion behinderter Menschen wie etwa durch ein Nichtintegrieren in das Schulwesen mit gesunden Schülern ab. Und wenn die AfD sich für das auch in der kirchlichen Lehre verankerte „Nein zur Abtreibung“ einsetzt, so sei zu bedenken, dass im Christentum der Lebensschutz unteilbar sei und auch andere vulnerable Gruppen einschließt. Auch die Sympathie der AfD mit der Politik Putins vertrage sich mit dem christlichen Menschenbild keineswegs. Nach der Auffassung des Christentums werde, so gab Püttmann zu bedenken, Gott selbst angegriffen, wenn die Menschenwürde angegriffen werde.
Wie aber sei AfD-Wählern, respektive jenen mit einem christlichen Hintergrund, zu begegnen? Zunächst einmal riet Püttmann zu einer echten Aufklärung. Gerade wenn Rechtspopulisten mit „Fake News“ oder Halbwahrheiten argumentierten, sei es nötig, dem nachzugehen und die Wahrheit herauszufinden und mit ihr zu argumentieren. Entscheidend sei aber auch, der Verdrossenheit der Menschen entgegenzuwirken, die oftmals Grund dafür ist, dass man sich rechtspopulistischen Parteien zuwendet. Und da ist oft genug die persönliche Frustration Ursache für Politikverdrossenheit. Kirche habe hier die Aufgabe dem mit Empathie und Freude entgegenzuwirken – auch durch Feste und Feiern, in denen Menschen sich angenommen fühlen dürfen, und nicht zuletzt durch ihr geistliches Angebot.
Text und Bild: Raymund Fobes