In meinem Büro im Eibacher Pfarrhaus habe ich quasi einen “Logenplatz” - ich kann seit Beginn dieses Jahres verfolgen, wie ein paar Meter entfernt der neue Kindergarten St. Walburga entsteht. Das heißt: zuerst einmal musste das alte Gebäude abgerissen, der Schutt sortiert und abtransportiert werden, eine aufwändige, mit viel Lärm und Dreck verbundene Prozedur! Dann war es wochenlang sehr still auf dem Gelände: eine ebene Fläche wartete darauf, dass etwas Neues beginnen würde. Als ich Mitte Juni aus meinem Urlaub zurückkam, habe ich einen Fortschritt festgestellt: jetzt wird tief gegraben - die Vorbereitungen für das Fundament sind in vollem Gang.
In mein Büro kommen regelmäßig Menschen zur Geistlichen Begleitung. Fast alle schauen durchs Fenster, was sich auf der Baustelle getan hat. Das kann in einem Rhythmus von vier Wochen ganz schön viel sein. Und oft ziehen sie Parallelen zu ihrem geistlichen Weg: “Da habe ich erkannt, dass mich das nicht mehr trägt…” - “Ich schleppe so viel Schutt mit - das macht mir das Leben schwer…” - “Bei diesem Satz aus der Messe krampft sich mir immer der Magen zusammen…” - “Ich wünsche mir so sehr, Gott vertrauen zu können, aber es gelingt mir nicht…”
Die Sehnsucht nach etwas Neuem lässt sie einen anspruchsvollen geistlichen Weg gehen, der wie bei einer Baustelle mit einer Bestandsaufnahme beginnt, mit Sichten und Sortieren: Was ist da? Was darf, ja: muss bleiben, weil es ein “Wertstoff” ist - was sollte entsorgt werden, weil es “giftig” wirkt wie z.B. ein toxisches Gottesbild? Nach und nach arbeiten wir uns hinunter bis auf den Glaubensgrund: dass jeder und jede Gottes geliebtes Geschöpf ist. Dieses “Fundament” - das niemand anderer als Gott in uns legt - gilt es zu entdecken, vertrauensvoll anzunehmen und zu stärken. Dann kann der “Aufbau” erfolgen durch Gebet, Liturgie, Bibellese, Austausch mit anderen Christinnen und Christen.
Das ist - Sie ahnen es schon! - ein Großprojekt, das nicht in ein paar Monaten oder in einem Jahr fertig ist. Auch in dieser Hinsicht ähnelt ein geistlicher Weg dem Neubau vor meinem Fenster! Aber beides ist die Mühe wert: unsere Familien dürfen sich auf einen schönen neuen Kindergarten freuen, der für viele Jahre Bestand hat - und die Menschen, die Geistliche Begleitung suchen, finden - so meine Erfahrung - zu ihrer ganz persönlichen Gottesbeziehung und zu einer Spritualität, die trägt und befreit.
Ihre Gemeindereferentin Irene Keil
Falls Sie sich interessieren für Geistliche Begleitung, nehmen Sie gern Kontakt mit mir auf - oder informieren Sie sich auf den Seiten des Exerzitienreferats im Bistum Eichstätt, das qualifizierte Geistliche Begleitung vermittelt!