Immer dann, wenn ich meine fünf Sinne nicht ganz beieinander habe, kann es leicht passieren, dass ich schusselig werde. Ich suche verzweifelt nach dem Hausschlüssel, verlege Unterlagen, vertausche die Taschen, die ich vorher noch planvoll gepackt und vorbereitet habe. All das kommt meist dann, wenn ich sowieso schon viel um die Ohren habe und nicht ruhig und konzentriert bin. Dann leide ich richtig daran, dass ich mich nicht mehr gut erinnern kann. Ich kann mich da so richtig reinsteigern und werde schnell panisch. Vergesslichkeit stiftet zusätzliche Verunsicherung und macht hilflos. Es gibt aber auch eine Vergesslichkeit, die nicht mit Gegenständen wie Schlüssel oder Geldbeutel zu tun hat.
Psalm 103 ruft dazu auf, nachzudenken, welche Rolle ich Gott in meinem Leben gebe:
Preise den Herrn, meine Seele,
und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!
Der dir all deine Schuld vergibt
und all deine Gebrechen heilt,
der dein Leben vor dem Untergang rettet
und dich mit Huld und Erbarmen krönt.
Es gibt Tage, da beeinflussen und belasten die Krisen der Welt und die alltäglichen Herausforderungen meine Stimmung und mein Lebensgefühl. Ich bin kraftlos, traurig oder wie gelähmt.
Und da vergesse ich leicht, dass Gott es gut mit mir und den Menschen meint. Sein großes Herz und seine Bereitschaft zu vergeben sind unendlich. Er will uns von allem heilen, was in uns zerbrochen und in Unordnung ist. All unsere Brüche und Verletzungen, alle schmerzenden Wunden kann Gott mit seiner Liebe heilen.
Einer meiner Lieblingsstellen im Neuen Testament passt gut zu diesen Gedanken. Sie weist hin auf Jesus Christus, den Heiland und Hoffnungsbringer: „Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen und den glimmenden Docht nicht auslöschen, bis er dem Recht zum Sieg verholfen hat. Und auf seinen Namen werden die Völker ihre Hoffnung setzen.“ (Mt 12,20-21)
Ich wünsche mir selbst eine zuversichtliche und hoffnungsfrohe Haltung, weil ich glauben darf, dass Gott in meinem Leben präsent ist. Er ist ein Gott des Erbarmens, der Vergebung und Heilung. Rache, Vergeltung und Gewalt sind für Gott keine Handlungsoptionen. Trotzdem geht es Gott immer auch um Gerechtigkeit und Recht. Die Kraft der Veränderung ist bei Gott immer die Liebe.
Mit diesem bekannten Kanon nach den Worten des Psalms 103 und der Musik von Norbert Kissel auf den Lippen möchte ich meine Tage starten:
Lobe den Herren, meine Seele, und seinen heiligen Namen.
Was er dir Gutes getan hat, Seele, vergiss es nicht, Amen.
Lobe, lobe den Herrn, lobe den Herrn, meine Seele.
Lobe, lobe den Herrn, lobe den Herrn, meine Seele.
Gudrun Gärtner, Religionslehrerin im Kirchendienst